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Männer sterben deutlich häufiger durch Suizid als Frauen, gleichzeitig nehmen sie seltener Hilfsangebote in Anspruch und werden seltener als gefährdet erkannt. Bisher fehlen suizidpräventive Ansätze, die direkt Männer ansprechen, ihre Situation und Risikofaktoren berücksichtigen.

Dem widmet sich seit April 2021 der Forschungsverbund „MEN-ACCESS – Suizidprävention für Männer“ an der Universität Leipzig, der Medical School Berlin und der Universität Bielefeld. Es werden zwei genderspezifische E-Learning Programme zur Suizidprävention entwickelt und evaluiert - ein Programm für Männer mit Suizidrisiko und ein Programm für sog. Gatekeeper. 

Der Forschungsverbund wird gefördert von dem GKV Bündnis für Gesundheit. Dieses fördert seit 2021 interdisziplinäre und praxisorientierte Forschungsvorhaben, die geschlechtsspezifische Besonderheiten untersuchen und adäquate Ansätze für Maßnahmen der lebensweltbezogenen Gesundheitsförderung und Prävention entwickeln.

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Im Teilprojekt an der Universität Leipzig, Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Medizinischen Fakultät werden Interviews mit Männern, die einen Suizidversuch unternommen haben, geführt. Ziel ist es, Anzeichen, die dem Suizidversuch voraus gingen, zu verstehen. Außerdem wollen wir besser verstehen, wie Männer das Hilfesystem in Anspruch nehmen bzw. welche Gründe sie daran hindern und welche Strategien oder Personen Ihnen in der Krise hilfreich waren. Zudem werden Daten einer Längsschnittstudie zu psychologischen Faktoren von Suiziden analysiert und Unterschiede zwischen Männern und Frauen sowie spezifische Risikofaktoren von Männern betrachtet. Aufbauend auf den Ergebnissen dieser Untersuchungen wird das E-Learning-Programm für Männer mit Suizidrisiko entwickelt und initial validiert. Dabei interessiert der Blick möglicher Nutzer auf das Tool. 

Projektleitung: Prof. Dr. Heide Glaesmer, Projektmitarbeiter*innen: Cora Spahn, Sascha Kranz

Handout Symposium "Suizidalität und Suizidprävention bei Männern" 

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Das Teilprojekt der Medical School Berlin fokussiert sich auf die Rolle der Gatekeeper in der Suizidprävention. Als Gatekeeper werden Personen bezeichnet, die mit Menschen mit einem erhöhten Suizidrisiko in Kontakt stehen. Gatekeeper stellen einen wichtigen niedrigschwelligen Präventionsansatz in der Suizidprävention dar. Im Rahmen des Teilprojekts werden zunächst psychologische Autopsie-Interviews mit Angehörigen geführt, die eine nahestehende männliche Person (Vater, Bruder, Sohn, Partner) durch Suizid verloren haben. Durch diese Interviews soll herausgefunden werden, welche Personen als mögliche Gatekeeper bei Männern fungieren können sowie welche Belastungsfaktoren und Veränderungen dem Suizid vorausgingen. Auf Basis der Ergebnisse aus den Interviews sowie aus den zwei weiteren Teilprojekten des Forschungsverbundes soll anschließend ein E-Learning-Programm für Gatekeeper zur Suizidprävention für Männer entwickelt werden. Im Rahmen einer randomisiert-kontrollierten Studie soll die Wirksamkeit des Programms evaluiert werden.

Projektleitung: Prof. Dr. Birgit Wagner, Projektmitarbeiterin: Laura Hofmann

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Das Teilprojekt der Universität Bielefeld ist an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften angesiedelt. Im kommunikationswissenschaftlichen Teilprojekt werden drei empirische Studien umgesetzt: In einem Systematic Review einschlägiger wissenschaftlicher Publikationen wird die Wirksamkeit von genderspezifischen Interventionen zur Suizidprävention sowie insbesondere der dort verwendeten Botschaftsstrategien untersucht. Es wird zudem eine egozentrierte Netzwerkbefragung mit in Deutschland lebenden Männern im Vergleich zu in Deutschland lebenden Frauen durchgeführt, um mögliche Gatekeeper im Umfeld zu identifizieren und Einflussfaktoren der (Nicht-)Kommunikation über psychische Probleme zu eruieren. Schließlich wird nach der Entwicklung der beiden geplanten E-Learning-Tools eine Studie mit qualitativen Fokusgruppen mit Männern und den in der Netzwerkbefragung identifizierten Gatekeepern durchgeführt. Diese Studie soll die beiden E-Learning-Programme evaluieren und Erkenntnisse darüber generieren, inwieweit diese zu erhöhtem Wissen über Hilfeleistungen und zu einer Entstigmatisierung von Suizidalität beitragen.

Projektleitung: Prof. Dr. Doreen Reifegerste, Projektmitarbeiterin: Dr. Anna Wagner,